Das Orchester der Verbandsgemeinde Kell am See e.V.

Eine Biographie über ein Orchester der besonderen Art

von Erwin Berens

Begeisterung für ein Unternehmen in Sachen Musik das ist der belebende Faktor für das VG-Orchester Kell am See, das in seiner Konstellation lange Zeit einmalig in Rheinland-Pfalz war. Inzwischen ist im Bereich Mayen ein ähnliches Orchester gegründet worden.

Begeisterung für die Musik war der ausschlaggebende Punkt, der ca. 55 Musikerinnen und Musiker im sogenannten Amerika-Orchester des Musikvereins Kell am See 1989 zur Steuben-Parade nach New York, Washington und zu den Niagarafällen führte. Hier zeigte sich, dass Musiker des Musikvereins Kell am See und aus den verschiedensten Vereinen der Verbandsgemeinde Kell am See und überregionalen Bezirken glänzend harmonisierten und die Auftritte in Übersee zu vollen Erfolgen werden ließen.

Auf der Abschlussveranstaltung in Washington wurde der Gedanke geäußert, zu hause ein Orchester zu gründen, das Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Vereinen der VG - Kell am See und darüber hinaus aufnehmen sollte.

Erste Gespräche zeigten, dass sowohl Zustimmung, aber auch Ablehnung zu dem Vorhaben geäußert wurden.

Man hatte die Bedenken, dass dieses neue Orchester eine Konkurrenz zu den heimischen Musilvereinen werden könnte. Insgesamt zeigten die damaligen Vorsitzenden der Musikvereine in der VG aber die Bereitschaft diesem Vorhaben zuzustimmen.

So wurde eine Orchesterordnung zusammengestellt, die die vorhandenen Bedenken zerstreuen sollte.

Hier einige Auszüge:

        • Im VG-Orchester darf nur der- oder diejenige spielen, der oder die auch weiterhin im heimischen Musikverein aktiv tätig bleibt.
        • Die jeweiligen Vorsitzenden der Musikvereine aus der VG - Kell am See, die Aktive in das VG-Orchester abstellen, sind automatisch im Vorstand integriert um über die Aktivitäten informiert zu sein.
        • Alle Auftritte des VG - Orchesters werden mit den Vorsitzenden abgestimmt. Die Auftritte der Musikvereine haben Vorrang.
        • Die Auftritte des VG-Orchesters sollen in ihrer Anzahl auf 4-6 pro Jahr begrenzt werden.
        • Musikalische Unterstützung von besonderen Anlässen der VG bzw. der touristischen Werbung.


Nach Ausräumung der gröbsten Zweifel wurde dann im Januar 1990 zur Gründungsversammlung eingeladen, die im Saal des Gasthauses Maßem in Schillingen stattfand. Über 60 Musikerinnen und Musiker fanden sich zusammen, die das Unternehmen VG - Orchester Kell am See aus der Taufe hoben. Auf Wunsch der Versammlung sollte das Orchester von Erwin Berens gemanagt werden.

Zum Dirigenten wurde Karl-Heinz Willger gewählt, der zusammen mit Erwin Berens, einigen Idealisten und den Vorsitzenden die Aufbauarbeit übernahm. Das Unternehmen konnte beginnen.

Ein wesentlicher Verfechter der Idee war Bürgermeister Werner Angsten der sich von Anfang an für das Zustandekommen des Orchesters stark engagierte. Er vertrat diese Idee und die Umsetzung überzeugend im damaligen Verbandsgemeinderat und erreichte mit den Fraktionen den Beschluss, erforderliches Startkapital im Haushaltsplan einzustellen. Dieses ist übrigens bis heute der Fall und ein Wort des Dankes und Lobes für den Verwaltungschef und die Ratsmitglieder ist hier angebracht.

Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der VG - Kell am See fand dann in der Hochwaldhalle in Kell am See der erste Auftritt statt. Karl-Heinz Willger hatte das Orchester auf ein erhebliches Niveau gebracht und die Bewunderung kam aus aller Munde.

In den Folgejahren wurde weiter am Leistungsniveau gearbeitet und als symphonisches Blasorchester stellte es sich in der Vergangenheit allen Anlässen. Das Orchester erfreut sich nach nun 10 jährigen Bestehens allgemeiner Beliebtheit in der VG - Kell am See. Aber auch Überregional ist der Bekannt- und Beliebtheitsgrad stetig gestiegen und die Konzerte waren volle Erfolge.

Solisten auf den einzelnen Instrumenten wie auch gesangliche Begleitung gehören ebenfalls zum Repertoire des Orchesters.


Um dem finanziellen Bedarf gerecht zu werden, mussten weitere Möglichkeiten ausgeschöpft werden. So wurde 1993 ein Förderverein gegründet der sich um die Belange, insbesondere dem finanziellen Bedarf widmet.

Die vielfältige Arbeit in diesem Förderverein wird von den Mitgliedern der einzelnen Ressorts mit viel Engagement geleistet:

      • Vorsitzender: Erwin Berens
      • Stellvertreter: Bernhard Zender
      • Kasse: Rainer Fuchs
      • Schriftführer: Franz Becker
      • Dirigent: Karl-Heinz Willger


Die Chronik des Orchester der Verbandsgemeinde ist aber nicht ausschließlich eine Erfolgsgeschichte. Personelle Rückschläge hat das Orchester mit den durch Unfall tödlich verunglückten Musikern Michael Schuler und Hermann-Josef Emmerich nur schwer ausgleichen können. Beide waren Könner auf ihrem Instrument; Michael Schuler ein junger, exzellenter Schlagzeuger und H. J. Emmerich, ein begnadeter Klarinettist. Beiden gilt das Gedenken derjenigen, die zusammen mit ihnen musizieren durften.

Rückblickend auf die Auftritte sind neben den stets anspruchsvollen, jährlichen Wohltätigkeitskonzerten, deren Erlose jeweils einem sozialen Zweck zugeführt wurden, Konzerte im Rahmen der Fremdenverkehrswerbung in Düsseldorf, Saarbrücken, Appeldoorn/Holland, Konzerte an den Rheinland-Pfalz-Tagen in Montabaur, Ludwigshafen, Andernach und Wittlich, sowie Aufnahmen für SWR-Sendungen und Tonaufnahmen mit dem SWR. In der Sendung "Heimatmelodie", jeweils Sonntagmorgens ist das Orchester des öfteren zu hören.

Im Mai 1999 war das Orchester auf Konzertreise nach Grindelwald in die Schweiz. In der Kongresshalle konnte das Orchester mit seiner Musik und der Gesangssolisten Monika Weber ein Feuerwerk der Musik entfachen. Herausragendes Ereignis war jedoch die 14-tägige Konzertreise nach Brasilien. Im dortigen Süden leben Nachfahren von Auswanderern unserer Regionen, die das deutsche Brauchtum sehr lebendig pflegen. In den Städten wie Porto Alegre, Nova Petropolis, Blumenau, Sao bento do Sul; in den Ländern Rio Grande oder Santa Catarina waren die Konzerte einmalige Erlebnisse sowohl für die Zuhörer als auch für die Musiker. 100 Personen hatten diese Reise zusammen mit dem Orchester angetreten. Alle waren begeistert: von der freundlichen Aufnahme, als auch von der Organisation, die zusammen mit dem Trierer Reisebüro "Reisegalerie Becker" organisiert wurde, klappte alles perfekt. Die Reise führte u a. auch zu den Wasserfällen nach Iguaucu, Argentinien und Paraguay. Ein letztes Ständchen auf dem Zuckerhut in Rio de Janeiro ließ die Reise mit unbeschreiblichen Eindrücken - nicht nur von Land und Leuten - am Strand der Copacabana ausklingen.

Ebenfalls erwähnenswert ist der Live-Auftritt im Saarländischen Fernsehen. In der Sendung "Musikzeit" führte das Orchester das Stück "The Year Of Saturn", komponiert von Emil Sirakov, einem einheimischen Komponisten, der auch aktiver Musiker in unserem Orchester ist, auf.

In der Folgezeit wurden die jährlichen Konzerte zu Höhepunkten des inzwischen neu gegründeten Vereins gleichen Namens, der seit 2003 alle Aufgaben des zuvor bestandenen Fördervereins übernommen hat. Konzerte in Grindelwald/Schweiz, Burg Malbrouck, Manderen/Frankreich und innerhalb Deutschland waren ebenfalls erfolgreich.

Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Konzertreise nach Südafrika im Jahr 2002. Ganz besonders beeindruckend war das erste Konzert in der geschichtsträchtigen Kirche in Soweto, bei dem auch ein einheimischer Gospelchor mitwirkte. Ein weiteres Konzert mit dem Polizeiorchester von Kapstadt fand in der bekannten Universitätsstadt Stellenbosch statt.

Auch die Freunde des südafrikanischen Weines kamen voll auf ihre Kosten. Im Rahmen einer Besichtigung eines der vielen riesigen Weingüter in der Region, wurde ein weiteres Konzert gegeben.

Abgesehen vom Jahreskonzert in der Halle in Greimerath waren es 2003 eher Unterhaltungskonzerte, die auf dem Programm standen. Das internationale Reit- und Springturnier auf dem Fronhof in Kell am See und die große Oberfeller Weinkirmes waren hier die Auftrittsorte- und Anlässe.

Das nächste Jahreskonzert steht am 24. Januar 2004 in der großen Siebenbornhalle in Mandern an.

 

Fortsetzung folgt ...